Ein wahrer Schatz verbirgt sich hinter dieser neuen Rubrik – dem Spruch-Archiv! Hier finden wir zahlreiche alte Redewendungen – zusammengetragen, wörtlich übersetzt und mit zusätzlichen Erklärungen versehen von Uwe Helfenritter und Manfred Joppien – nach Aufzeichnungen von K.‑H. Bellen. Wir danken allen Genannten!
Ich muss mich setzen / bin müde.
Fahre se dech dur de Kuhpoort, dann hässe dä letzte Kü-etel jekackt.
Wenn man dich durch das Kuhtor hinaus fährt, dann hast du den letzten Köttel gekackt.
ErklärungWenn man dich durchs Kuhtor fährt, dann bist du tot. Stadtwauswärts liegt der alte Friedhof der Stadt.
Dann schmiete se möt min Knoek de Biere aff.
Dann werfen sie mit meinen Knochen die Birnen ab.
ErklärungDas werde ich nicht mehr erleben, wenn das passiert, bin ich nicht mehr.
Ek kann mech ömmer noch op denn Maat stelle, näck uuttrecke on mech för Jeld kieke loete.
Ich kann mich immer noch auf den Markt stellen, nackt ausziehen und für Geld gucken lassen.
ErklärungIch kann mich überall zeigen und blicken lassen.
Re-ekene kann hä joe, ävvel op hä ok tälle kann?
Rechnen kann er ja, aber ob er auch zählen kann?
ErklärungErzählen kann er ja viel, aber ob es auch funktioniert, ob es auch klappt ?
Jemandem heftig die Meinung gesagt
mal eben schnell
eine treue, brave Seele
Nun stell’ dir vor …
Dier = Mädchen
Es wird Regen geben.
Eine Gänsehaut
Dünkel muss Schmerzen ertragen.
Ein Ausspruch, der sich an ein altes Marktschreier-Bonmot anlehnt, das sich über das damalige NS-Regime und den NS-Politiker und Kriegsverbrecher Hermann Göring lustig machte: »Heringe! So dick und fett wir Hermann Göring!«
Langsam, besonnen vorgehen
Einem gut betuchten glaubt man eher als einem armen Menschen.
Da muss ich gut aufpassen, vorsichtig sein.
Müde vom Nichtstun
Hinweis auf einen »dicken« Kopf, nach Alkoholgenuss oder auch aus Rage, Wut.
Er will was Besseres sein.
….Hinweis, mehr nicht
Da platzt mir der Kragen.
Dä hätt möt denn Düwel Driet jedarsche.
Der hat mit dem Teufel Scheiße gedroschen.
ErklärungSpaßeshalber für Menschen mit vielen Sommersprossen.
Das wird denen auseinander brechen (bersten).
Was, hast du dich wieder ausgeruht?
Was hat das zu bedeuten?
Steht de Sonn op Stiepe, fängt et an te siepe.
Steht die Sonne auf Stelzen, wird es bald regnen.
ErklärungStiepe sind Stützen – gemeint sind hier also die Strahlen, die aus dunklen Wolken scheinen.
Das wird aber eine teure Sache.
Mar minne Jott on Heiland, watt sitsche düer, halt ma öjeren Driet.
Mensch, mein Gott und Heiland, was sind Sie teuer. Behalten Sie ihren Mist.
ErklärungMensch, mein Gott und Heiland, was sind Sie teuer. Behalten Sie ihren Mist.
Dä suet ut wie duur de Strüük jeschoete.
Der sieht aus wie durchs Gebüsch geschossen.
ErklärungUngepflegt, strubbelige Person
Eine ganz knappe Angelegenheit
ausklingen lassen
Ausdruck höchsten Erstaunens
Du machst aber auch alles.
Der hat noch Recht obendrein.
Joe, wenn de Pe-ek häbbe solls, kannse dech mött de näcke Fott ut et Finster hänge, dann drietsde noch en de Stuev.
Ja, wenn du Pech haben sollst, dann kannst du dich mit dem nackten Hintern aus dem Fenster hängen und du scheißt noch ins Zimmer.
ErklärungDieser Spruch bedeutet soviel wie, wenn das Schicksal es will, dann kannst du sowieso nichts dagegen machen.
Möt en Wuersch noe ne Schenk schmiete.
Mit einer Wurst nach dem Schinken werfen.
ErklärungMit kleinem Einsatz großen Erfolg erzielen.
Ut en verzagte Fott kömmt kenne frue Furz.
Aus einem verzagten Hintern kommt kein froher Furz.
ErklärungAus einem verzagten Hintern kommt kein froher Furz.
Dat süet ne Blenge mött de Kröcksteck.
Das sieht ein Blinder mit dem Krückstock.
ErklärungEs handelt sich um eine ganz offensichtliche Sache.
Und wenn es Bindfäden regnet! Oft gebraucht im Zusammenhang: »Du kommst trotzdem!«
Hinweis zum Einweichen
Ek häb en ju-e Frau, hei-s do se ma.
Ich habe eine gute Frau, hättest du sie nur.
ErklärungIch habe eine gute Frau, hättest du sie nur.
Der ist verschwiegen, redet nicht viel.
Jemandem einen Streich spielen, veräppeln
Das ist nutzlos. Das bringt nichts.
Ich habe es eilig.
Wie aus dem Ei gepellt. Aussehen, als wenn nichts passiert wäre
eine Feder aufblasen
Jetzt habe ich die Sache am Hals.
Ich lasse es drauf ankommen.
Auch als Warnung: Warte nur ab, die Rache kommt.
Das garantiere ich dir, das kannst du mir glauben.
Watt bönn ek frue, dat eck net bedräfft bönn.
Was bin ich froh, dass ich nicht betroffen bin.
ErklärungWas bin ich froh dass ich nicht betroffen bin.
Das wird eine teure Sache.
zwischen Tag und Nacht
Ich gebe auf
Sagt man in dunklen oder unbeleuchteten Räumen.
Ich habe es sehr eilig.
Das Unterste oben
Massive Androhung
Nun übertreibe nicht.
unbedeutend, nicht so wichtig
Es friert diese Nacht.
Das kommt genau richtig, gerade recht.
Hinweis auf ein Stück trockenen Kuchen oder einen trockenen Wein.
Woher kommt der denn?
Widersprich mir nicht.
Der Wind ist unangenehm.
Der bekommt seine Strafe schon noch.
Das habe ich vorher gesehen / Das war doch abzusehen.
Abfällig für unbeweglich, steif
Unser Herrgott wird sie wohl bestrafen.
Lass es dir gesagt sein.
Auch Kleinigkeiten helfen, nutzen
Das gibt einen festen Küttel (Kotballen).
Den hat es schlimm erwischt.
Abneigung, den mag ich nicht.
Bei jemandem mit Komplimenten etwas erreichen wollen, mit Nettigkeiten jemanden für sich einnehmen.
Alter schützt vor Torheit nicht.
Nun bleib mal schön auf dem Teppich, nun übertreib nicht so maßlos.
Eine Person, die nicht blass ist, sondern eine gebräunte Gesichtsfarbe hat.
Der hat beide Beine gebrochen.
Ek häb son Loss, dech aan min Bross tö büre.
Ich habe große Lust, dich an meine Brust zu heben.
ErklärungKomm, lass dich mal drücken.
Allgemeine Gesprächseröffnung
Ausspruch von ernster Wut und Zorn
Es steht kurz davor.
Wo kommst du denn her?
Jammern auch wenn es einem gut geht.
Alles- oder Vielesser, dem nie oder selten schlecht wird.
Es hat mich ganz schnell, unverhofft erwischt. Auf den Leib geschlagen